Die Diskursive Konstruktion von Wirklichkeit V – Interdisziplinäre Perspektiven einer wissenssoziologischen Diskursforschung

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Augsburg
Germania

Seit 2013 findet – mit pandemiebedingter Pause – im zweijährigen Rhythmus an der Universität Augsburg die Tagung »Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit« statt. Sie versammelt interdisziplinäre Beiträge zur Wissenssoziologischen Diskursanalyse und angrenzender Perspektiven der Diskurs- und Dispositivforschung. Damit zielt die Tagung explizit auf inter- und überdisziplinäre Diskussionen und Reflexionen zu laufenden und abgeschlossenen Forschungen sowie Fragen der Theorie, Methodologie und Methoden. Die kommende Tagung möchte die interdisziplinäre Diskussion über Grundlagen und Anwendungen wissenssoziologischer Diskursforschung und anschließender Perspektiven (etwa Situationsanalyse, Subjektivierungsforschung, oder weitere wie ethnographische Diskurs- und Dispositivansätze) fortführen. Dabei sind folgende Schwerpunktsetzungen vorgesehen:

  1. Ein erster Bereich umfasst theoretische und methodologische Fragen. Dabei können sowohl spezifische Aspekte der Forschungsprogrammatik der Wissenssoziologischen Diskursanalyse als auch die Verbindungen und Anschlussmöglichkeiten in unterschiedliche disziplinäre Forschungsinteressen und -strategien sowie aktuelle Theoriedebatten und -konzepte diskutiert werden.
  2. Die Fragen der methodischen Umsetzung von empirischen Untersuchungen stehen im zweiten Bereich im Mittelpunkt. Dabei können die Beiträge erstens Samplingstrategien reflektieren und Möglichkeiten der Nutzungen technischer Hilfsmittel (z. B. Webcrawler) sowie den Umgang mit großen Datenmengen (›Big Data‹) oder das Arbeiten mit bestimmten Datenbanken in den Fokus rücken (Digitale Diskursforschung). Zweitens sind auch Beiträge erwünscht, die konkrete methodische Vorgehensweisen bei der Generierung von Daten (wie Experten:innen-Interviews, ethnographische Designs, Gruppendiskussionen oder andere Methoden) für die wissenssoziologische Diskursforschung fruchtbar machen. Drittens sind Beiträge erwünscht, die sich mit der Auswertung unterschiedlichster Datensorten befassen und hermeneutisch-interpretative ebenso wie quantifizierende Verfahren der Korpusanalyse diskutieren (einschließlich Diskurs- und Dispositivethnographien).
  3. Weiterhin wird ein Schwerpunkt auf die Bedeutung und Analyse von multimodalen Formaten, Visualisierungen und Materialitäten im Rahmen wissenssoziologisch-diskursanalytischen Arbeitens gelegt, um sich mit den Möglichkeiten, Ausarbeitungen und auch potentiellen Grenzen der wissenssoziologischen Diskursforschung jenseits der ›klassischen‹ Textanalyse auseinanderzusetzen. Bspw. wäre zu diskutieren, welchen generellen Stellenwert visuelle Elemente in Diskurskontexten einnehmen und welche bereits bestehenden sozialwissenschaftlichen Verfahren zur Analyse von Bildern und (audio)visuellem Material sich für diskursorientierte Forschungsinteressen eignen und adaptieren lassen und welche Modifikationen ggf. notwendig sind.
  4. In der Subjektivierungsforschung werden in den vergangenen Jahren zunehmend Forschungsinteressen verfolgt, die die Möglichkeiten der Erweiterung und Ergänzung der Diskurs- und Dispositivforschung aufzeigen. Dabei geht es um empirische Untersuchung von normativen Subjektpositionen bzw. Subjektcodes oder Subjektkulturen einerseits, den davon beeinflussten menschlichen Selbstverhältnissen, Subjektivitäten und Selbst-Technologien andererseits. In diesem Schwerpunkt geht es dabei sowohl darum, die theoretischen und methodologischen Fragen zu adressieren, z. B. wie die Verknüpfungen von diskursiv bzw. dispositiv konstituierten Subjektordnungen und Selbstverhältnissen, Biographien, Identitäten etc. konzipiert werden können, als auch darum, wie konkrete empirische Umsetzungen solcher Forschungsvorhaben geleistet werden können.
  5. Ein fünfter Bereich von Beiträgen umfasst die Vorstellung laufender oder abgeschlossener empirischer Studien einer wissenssoziologischen Diskurs- und Dispositivforschung sowie benachbarter Ansätze. Dabei sind Beiträge aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven erwünscht. Im Fokus stehen hierbei die jeweiligen Forschungen und ihre Ergebnisse. Gleichzeitig soll deutlich werden, worin der spezifische wissenssoziologisch-diskursanalytische Zuschnitt und Ertrag der vorgestellten Forschungen für die jeweiligen Untersuchungsfelder und/ oder die sozialwissenschaftliche Diskursforschung liegt. Insbesondere laden wir Beiträge zu Fragen des Verhältnisses von Diskurs und Materialität sowie zu Diskurs und Gewalt als auch Diskurskontrolle (Zensur) ein (letztere verstanden als kontrollierende, disziplinierende, erzwingende Interventionen in Diskursprozesse von ›oben‹/Staaten oder als kontrollierende, disziplinierende, erzwingende Interventionen in Diskursprozesse von ›unten‹).

 

Einreichung der Beitragsvorschläge


Um der zunehmenden Bedeutung englischsprachiger Forschungen Rechnung zu tragen, die auf die WDA bzw. SKAD zurückgreifen, können Vorschläge für Beiträge in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden; entsprechend wird es Sessions in beiden Sprachen geben. Zusätzlich wird die Möglichkeit einer digitalen Zuschaltung und digitaler Präsentationen für diejenigen angeboten, die keine Reisemöglichkeit haben. Richten Sie Ihre Abstracts bitte per E-Mail an wda@phil.uni-augsburg.de. Sie sollten höchstens 3.000 Zeichen umfassen, einschließlich Beitragstitel, Name, ggf. Institution und Kontaktangabe (E-Mail). Bitte benennen Sie dabei auch den Bereich (s.o., 1-5), für den Sie Ihren Beitrag vorsehen. Einsendeschluss ist der 15. Oktober 2022. Zusagen und vorläufige Programmerstellung erfolgen bis zum 31. Oktober 2022.

 

 Rahmenprogramm

  • Sonderveranstaltung in Memoriam PD Dr. Saša Bosančić
  • Sonderveranstaltung 10 Jahre Zeitschrift für Diskursforschung
  • Neben der Möglichkeit zu einem gemeinsamen Abendessen am 30. März laden wir Sie am 31. März 2023 nach dem Ende der Tagung zu unserer Abschlussfeier ein, um die Veranstaltungen in einem Augsburger Club musikalisch ausklingen zu lassen.

Tagungsgebühren werden nicht erhoben. Vor Ort besteht die Gelegenheit, gegen einen Unkostenbeitrag Zugang zu kalten und heißen Getränken zu erhalten. Alle weiteren Informationen zu den Anmeldemodalitäten, zur Anreise u.v.m. finden sich unter www.diskurswissenschaft.de. Auf dieser Seite informieren wir auch über die Entwicklungen im Zuge der Corona-Pandemie, die sich auf die Durchführung der Veranstaltung auswirken können. Die Veranstaltung unterliegt den geltenden Corona-Regelungen der Universität Augsburg.

Organizer
Prof. Dr. Reiner Keller (Universität Augsburg)
Contatto
Martin Blessinger (Universität Augsburg)
E-mail di contatto
wda@phil.uni-augsburg.de
Network
www.diskurswissenschaft.de
Media
CfP Call for Papers